„Irgendwann warst du in Biel“ (Ein persönlicher Bericht von Dirk)

Nun ist Biel Geschichte. Mein erster 100 km Lauf ist geschafft! Angeregt durch die Erzählungen der Vereinskameraden Dieter Stolz und Kerstin Bunjes hatte ich mich am 3. Oktober 2013 für den 100 km Lauf in Biel/Schweiz angemeldet. Biel ist der klassische 100 km Ultramarathon. Was New York und Berlin für die Marathonläufer ist, ist Biel für die Ultramarathonläufer.

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Um nicht immer alleine trainieren zu müssen, habe ich mich am 1. Januar 2014 zusätzlich zum TV 1900 Wanheim noch beim LC Duisburg angemeldet. Mit 694 Mitgliedern ist dies der Laufstärkste Verein in Duisburg. (Anmerkung sogar Deutschlands als nur Laufverein)

Im Januar 2014 begann die Vorbereitung. Um Zeit für die Familie zu haben, haben wir, das sind die „Sonntags-Länger-Läufer“ Katrin, Susanne, Carsten, Henning, Marcus und ich, uns sonntags bereits um 6.00 Uhr zu den längeren Läufen, d. h. mindestens über 40 km, getroffen. Daneben hatten wir drei Nachtläufe von 50 km (125 Runden auf einer 400 Meter Tartanbahn zusammen mit dem Deutschen Ultramarathon Verband), 70 km (14 Runden um die Regattabahn) und 80 km (16 Runden um die Regattabahn), die letzten beiden jeweils von Freitagabend 21.00 Uhr bis Samstagmorgen, abgespult. Neben den Trainingsläufen habe ich noch den Marathon in Herten Bertlich am 16.02.2014, einen Tag nach meinem Geburtstag, in 3:54:36 gefinisht. Den Düsseldorf Marathon bei strömenden Regen in 3:40:31 abgerissen und in Duisburg als Zug- und Bremsläufer für 4 Stunden 15 Minuten fungiert. Als erste Generalprobe bin ich beim 6-Stunden-Lauf in Münster 61,2 km gelaufen.

Seit Januar habe ich so bei 72 Trainingseinheiten 1.995,3 Kilometer absolviert und 147.449 Kalorien verbrannt (dennoch habe ich nicht abgenommen). Hinzu kamen noch 782,5 Rennradkilometer. Die Trainingsintensität von z. T. 160 km pro Woche forderte leider ihren Tribut. Nach dem Bahntraining Ostersamstag auf der Tartanbahn habe ich eine Entzündung der Knochenhaut am Fersenbein bekommen und musste 5 Wochen kürzer treten oder besser weniger laufen. Dies konnte ich z. T. durch gesteigertes Radtraining kompensieren. Leider machte sich die Verletzung beim 80 km Nachtlauf und dann wieder in Biel bemerkbar (siehe unten).

Bereits am Donnerstag, 12. Juni 2014, bin ich nach Zürich zu meinem alten Studienkollegen gefahren, wo ich dann von Donnerstag auf Freitag und von Samstag auf Sonntag (in der Nacht von Freitag auf Samstag fand der Lauf statt) übernachtete. Am Freitagvormittag ging es von Zürich nach Biel. Am Nachmittag haben wir im Appartement von Susanne, Katrin und Britta gechilled und Fußball geguckt. Um kurz nach 16.00 Uhr haben wir die Startnummer abgeholt.

Eine Abgabe von Eigenverpflegung war nicht möglich. Das Orga-Team wusste überhaupt nicht, was ich von ihnen wollte. Sie hatten wohl noch nie etwas von Eigenverpflegung gehört. Zumindest für drei Verpflegungsstellen konnte ich meine Eigenverpflegung als Gepäck aufgeben. Für die Verpflegung zwischendurch hatte ich dann meinen Rucksack mitgenommen (Plan B).

Die Brustwarzen und die Ferse hatte ich großzügig mit Pflaster abgeklebt. Wie üblich habe ich meine Füße, die Brust, die Achseln und den Schritt mit Vaseline eingeschmiert. Vor dem Lauf habe ich 2 1⁄2 Bananen gegessen, während des Laufes weitere 3, zusätzlich Bouillon und Energieriegel. Die Salzbretzel und das Brot blieben einem im wahrsten Sinne im Halse stecken. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl kurz an einem Hungerast vorbei zu schrammen. Es war auch schwer die 7.530 Kalorien wieder mit der Nahrung aufzunehmen. Nach dem Lauf lag mein Fettgehalt drei Prozentpunkte niedriger als vor dem Lauf.

Da ich wie immer mit einem Radtrikot gelaufen bin, konnte ich Salztabletten, Nähgarn (für eventuelle Blasen), eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien, Geld, mein Mobiltelefon, Notfalltelefonnummern, Taschentücher, Feuerzeug, eine Banane, Rosinen, Nüsse, etc. mitnehmen. Die Schokolade war leider geschmolzen. Auf den ersten Schritten zum Start meldete sich die Knochenhaut an der Ferse wieder. Kein gutes Omen.

Am Start um 22.00 Uhr wurde nicht von 10 runter, sondern auf 10 raufgezählt. In der Schweiz ist halt manches anders. Direkt nach dem Start wurde das Lied „Tage wie dieser“ gespielt, welches zumindest die Deutschen mitgesungen haben. Ein sehr emotionaler Moment. Den ersten Kilometer sind wir in 6:20 gelaufen. Bis km 5 hatten Britta und ich mich auf eine Pace von 6:05 runtergearbeitet. Aufgrund der gefühlten 27°C noch um 22.00 Uhr und der extrem hohen Luftfeuchtigkeit von über 50% war ich bereits bei km 3 durchgeschwitzt. Britta erst bei 5 Kilometern.

Um meine Knochenhaut nicht noch mehr zu reizen bin ich wie beim 80 km Nachttraining auf Zehenspitzen gelaufen. Bei km 5 kam völlig unerwartet der erste Anstieg. In diesen sind wir mit einer Pace unter 6:00 reingelaufen. Laut Höhenprofil sollte die Steigung erst bei km 9 kommen. So dachte ich sei es nur ein nicht erwähnenswerter Anstieg, doch dieser endete gar nicht. Aufgrund der Kurven und der Dunkelheit konnte man auch kein Ende sehen. Ein fataler Irrtum. Bergab konnte ich natürlich nicht auf Zehenspitzen laufen, sondern bin über die Ferse abgerollt.

Am zweiten Anstieg bei km 23 konnte ich das Tempo von Britta nicht mehr halten. Die Pace ging auf 6:18 runter. Hier habe ich das erste Mal daran gedacht aufzugeben. Bis ins Ziel bin ich dann alleine gelaufen. Nur Susanne hatte einen Coach als Radbegleitung mitgenommen. Ich habe aber keine Selbstgespräche geführt. Da hat man die gemeinsamen Trainingsläufe zu schätzen gelernt. Man wurde immer abgelenkt und bei einem Tiefpunkt wurde man gezogen.

Bei km 30 musste ich mich leider drei Mal übergeben und die Waden wurden hart. Ab da ging die Pace noch weiter runter. Zwischen km 30 und km 40 überkam ich doch sehr die Müdigkeit. Ich habe abwechselnd ein Auge zu gemacht. Erstens half das nichts und zweitens konnte ich dann noch weniger sehen. Die Motivation lag am Boden. Es gab unterwegs keine Schwämme und kein Wasserbecken für eine Erfrischung. Zum Glück hatte ich meinen eigenen Schwamm dabei. An den Wassertrögen in einigen Dörfern
konnte man sich zumindest das Gesicht vom Salz abwaschen und die Hände von den klebrigen Getränken abwaschen.

Bei km 50 habe ich einen Läufer eingeholt, der mich dann die ganze Zeit vollgetextet hatte, dass er gleich aufgeben würde. Um nicht selber noch deprimierter zu werden habe ich kurz am Berg mein Tempo erhöht. Ca. bei km 52 hat mich Peter überholt. Am Verpflegungspunkt bei km 56 hat mich Susanne eingeholt. Peter ließ sich massieren. Ab da ging es für 6 Kilometer auf den „Ho-Chi-Ming“ Pfad, ein steiniger Pfad durch den Wald am Kanal entlang. Hier hatte ich aufgrund meiner Nachtblindheit wie befürchtet erhebliche Probleme. Diesen konnte ich dann auch nur mit einer Pace von 6:48 laufen. Am Ende des Pfades ging die Sonne auf und der neue Tag begann.

Die Steigungen ab km 66 bin ich dann auch nur noch hoch gewalked. Die letzten 30 Kilometer wurden zur Qual. Alle 10 km wurden ausgeschildert. Ab km 70 alle 5 km und auf den letzten 5 km sogar jeder einzelne lange Kilometer. Es gab leider keine Kilometrierung für die beiden Marathondistanzen. An allen VP’s gab es die gleiche Verpflegung. Ich habe rund 8,5 Liter getrunken (2 L im Rucksack, 3 x 0,5 L Eigenverpflegung, 9 VP’s á 3 Becher mit Ø 0,15 L, plus 2 Erdinger im Ziel). Nach 12 Stunden, 33 Minuten und 22 Sekunden bin ich ins Ziel eingelaufen. Trotz dieser für mich schlechten Zeit bin ich damit 435ster von 846 Finishern geworden (diejenigen die aufgegeben haben nicht mitgerechnet). In meiner Altersklasse reichte es nur zu Rang 104 von 178. Damit bin ich deutlich hinter meinen eigenen Erwartungen geblieben.

Warum dieser Einbruch? Vielleicht der zu wenige Schlaf, die 2 Flaschen Rotwein vom Vorabend, zu schnell in den ersten Berg gelaufen, eine nicht ausgeheilte Knochenhautentzündung, was auch immer. Ich habe noch nie so gelitten.

Was ist geblieben? Eine kleine Blase am Zeh, eine leichte Scheuerstelle vom Rucksack am Rücken sowie einen Wolf. Muskelkater hatte ich keinen – wie auch bei dem Tempo. Nur die übliche Verkürzung der Sehnen.

Noch mal ein 100ter? Auf jeden Fall – aber nicht in Biel.
Dirk

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Einmal musst du nach BIEL…

Biel 2014 – eine Grenzerfahrung…
… und das nicht, weil Biel in der Schweiz liegt.

Im November – nach einer unfassbar tollen Laufsaison beim LC – hörte ich bei meinem ersten 50-er beim Bottroper Herbstwaldlauf zwei Läufer über Biel quatschen…. Irgendwann muss man (Frau auch?!) da hin… Aha??!!?? BIEL / …wattn dattn…???
Aufgeschnappt, gegoogelt, durchdacht, verworfen und plötzlich der Plan: Joooo, da will ich auch hin! Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich mit Anja Tegatz die „Bielerin“ schlechthin in meinem direkten Umfeld hatte und habe…

Aufgrund meiner privater Lebensumstände wurde die Idee einmal im Leben einen HUNDERTER zu laufen, kurzfristig immer konkreter, das Bewusstsein, die Zeit für das aufwendiger Training zur freien Verfügung zu haben, ohne eine Partnerschaft zu belasten, eine einmalige Chance, denn….die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich das mal ändern wird! Gesagt getan, an einem der ersten Januarabende war es soweit, ich brauchte einfach ein ZIEL, also …. entschied ich mich für BIEL und meldete mich kurzerhand an…

Der Marathonkurs 2014 begann und wurde Teil meines Trainingsplans.
Relativ zeitnah nach meiner Anmeldung kristallisierten sich ein paar weitere liebenswert Bekloppte heraus, die die TorTour de Ruhr oder Biel laufen wollten. Eine perfekte Mischung mit perfektem Timing, da die TTdR eine Woche vor Biel stattfand! Die Gruppe der Sonntagslängerläufer war kurzerhand „geboren“…. und es hieß immer wieder gemeinsam Kilometer fressen, Erfahrungen sammeln, sich austauschen und gegenseitig aufbauen, wenn es schwer war…. Eine rundum tolle Gruppe/ läuferisch gesehen, aber vor allen Dingen menschlich…. Ich habe ALLE sehr in mein HERZ geschlossen- ohne Euch wäre der Weg nach Biel viel, viel schwerer und der Lauf an sich noch haariger geworden!

Nach endlosen Kilometern, Doppelpacks an den Wochenenden, einer tollen Sonntagslängerläufer-Radtour und einem 6-Stunden- Lauf…. standen zum Schluss die gaaaaanz langen und wichtigen Läufe an….

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Gerade in dieser Zeit erlebte ich privat einige Rückschläge, die meine stärkste Waffe – nämlich meinen unendlich starken Kopf und Willen – ziemlich ins Wanken brachten…

Das Laufen fiel mir zum ersten mal unendlich schwer …. Kilometer fressen…eine ziemliche Qual! Auweia…. gerade jetzt! Daraus entstanden abgebrochene Läufe, abgesagte Sonntagsläufe…. Selbstzweifel und das in meinen Augen nun leider angebrachte Trainingsmotto: „ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“…

Im Mai und Juni 3 Marathons im 2-Wochen-Rhythmus als Trainingsläufe, PERVERS, wenn ich das überlege…. unter anderem auch, wenn ich daran denke, dass ich am 09. Juni 2013 meinen allerersten Marathon gefinisht habe.
Hamburg, Vivawest, Duisburg standen auf dem Programm… und NEIN: ich „rotze“ keinen Marathon einfach mal so dahin, ich habe unendlichen Respekt vor dieser Distanz und freue mich darauf, diese Distanz in Zukunft wieder ambitioniert und mit einer anderen Grundeinstellung angehen zu können!
In Duisburg war ich vor dem Start unendlich nervös, – HEIMSPIEL -… und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, möchte ich trotzdem gerne erwähnen, dass ich unendlich froh bin, Teil des LC Duisburg zu sein, denn das Gefühl, ins Ziel einzulaufen und nahezu die halbe Belegschaft der Freiwilligen zu kennen – geherzt, umarmt und gemocht zu werden- unbezahlbar! Einfach schööööön…. !!!

Nach Duisburg standen nur noch „kürzere“ Läufe auf dem Plan, die teilweise Begleitung der „Tortour de Ruhr-ler“ – Anja und Marcus – passte noch gut in den Plan und war eine der emotionalsten Erfahrungen meines Läuferlebens – so viel geheult wie Pfingsten und an den Tagen danach, hab ich noch nie… und ich bin sehr dankbar, dabei und Teil dieses Weges gewesen zu sein!

Nun zu Biel:
… dass mich Biel permanent in den letzten Wochen beschäftigt hat, zeigt allein die Tatsache, dass die Spracherkennung meines Handys inzwischen aus „viel“ immer „Biel“ macht….aber ich schweife ab!

Am Donnerstag ging es endlich los, 15:45 Uhr begann die Autofahrt mit Susa, Britta und dem lieben Olli, der uns heil nach Biel gebracht hat. Ankunft in Biel, Musik auf volle Pulle: DIRE STRAITS -> „private investigations!“ HAMMER! Wir sind da….die Nacht der Nächte steht vor der Tür! Vollmond! Gänsehautfeeling bereits bei der Ankunft!

Die Ferienwohnung – etwa 1 km vom Start entfernt – bezogen, stand eine kurze Nacht und ein Tag unter dem Deckmäntelchen des „ruhens“ und des „wartens“ auf dem Plan… Zwischenzeitlich stießen Dirk und Peter zu uns, um gemeinsam Nudeln zu essen und die Startunterlagen abzuholen… eine seeeehr nette Runde!

Um 21:10 ging’s los-wir gingen mit Olli Richtung Start zum Treffpunkt der Radbegleiter und verabschiedeten ihn um 21:30, denn er hatte sich kurzum entschlossen als Fahrradbegleiter mit an den Start zu gehen, um Teil von Susa’s Traum zu sein. Toll – Ihr zwei seid ein Dreamteam!!!!! (Man munkelt, die beiden hätten in der Nacht des 13./14.06. ihr zweites Kind in 11:17 Stunden gemeinsam zur Welt gebracht!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!)

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Um 22 Uhr ging’s dann für uns Läufer los….
„An Tagen wie diesen….wünsch ich mir Unendlichkeit….“…. Yeah – die toten Hosen dröhnten aus den Boxen als sich das Feld in Bewegung setzte, um die Nacht der Nächte zu erlaufen!
Bis km 4 allet jut, nahezu super und euphorisch, allet im Lack … bis ich eine Verkehrsinsel übersah… und…. BOING…
Den beliebten Ausspruch: „was liegt, das liegt“ hab ich schnell verworfen, bin schnell wieder aufgestanden und weitergelaufen, Handgelenk und Knie blutig, Ellbogen schmerzhaft… „Macht nix: heute wird meine Nacht“ – das war mein einziger Gedanke…
Susa und ich liefen schön entspannt zusammen, die anderen hatten sich bereits beim Start verabschiedet, und grundsätzlich war mir schon von Anfang an klar, dass ich Biel alleine „überstehen“ musste, hatte Susa doch eine wesentlich konsequentere und fehlerfreiere Vorbereitung, als ich absolviert – außerdem ist Susa eine Topläuferin und einer der positivsten Menschen die ich kenne…dass Susa Biel rocken würde, stand für mich außer Frage….
Die ersten knapp 17 km – Party pur…. wir wurden getragen von den Zuschauern am Straßenrand….total toll…
Die Euphorie ließ mich aber nicht meinen rumorenden Magen vergessen, Susa lief absolut rund, so dass ich sie bei km 20 etwa bat, alleine ihr Ding zu machen- Olli wartete bei km 23…. Gesagt und – mit dem seitens Susa „eingeforderten“ Versprechen allen privaten Problemen und dem Kopf zu trotzen und auf jeden Fall zu finishen – ….entschwand Susa nach Küsschen und Umarmung leichtfüßig und positiv in die Nacht! Das Versprechen ging mir bei km 23 noch recht leicht und zuversichtlich über die Lippen…. versprochen ist versprochen…. oha…

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MEINE einsame NACHT in Biel begann also bei km 23 ….und sie wurde die härteste Herausforderung, die ich bislang erlebt habe.
Bereits bei km 25 war mir nach aufgeben, meine Beine nicht wirklich schwer, aber der Tritt vollkommen unrund … meine Füße, schmerzten bereits jetzt, mein Kopf….eine Riesenkatastrophe … die Pace… permanent abnehmend….
Grundsätzlich hatte ich mir vorgenommen, nicht auf die Zeit zu achten, jeden Anstieg zu gehen und Anjas bzw Goethes Motto zu leben: „Geniesse wenn du kannst und leide wenn du musst.“ Finishen – das alleine war mein Ziel!

Meine liebe Freundin Käthe hatte – mit meinen lieben Freundinnen Katrin, Kati, Christina und meiner Schwester Cordu eine „Katrin’s BIEL SUPPORT“- whats App -Gruppe gegründet, die mir für die kommenden 75 km nahezu das Leben retten würde, das wusste ich zu der Zeit nur noch nicht!
Ab km 25 versuchte ich mich also immer wieder selbst zu belohnen-
an den Verpflegungsständen einmal aufs Handy schauen und schreiben, Motivation abholen….und siehe da…. nicht nur ich war wach!!!!! Daaaaanke, ihr Lieben!
Mein neuer „whats App Status“ ist für euch:
„Kein Weg ist lang, mit einem Freund an der Seite! (Japanische Weisheit)“
…. naja- lang irgendwie trotzdem, aber wesentlich erträglicher ….!

Was dann kam, bekomme ich gar nicht mehr so richtig zusammen, ich bin gelaufen, gegangen, gelaufen, gegangen, hab mich versucht möglichst gut zu verpflegen….und mich immer wieder motiviert, indem ich an den Sonnenaufgang dachte…. Dann, so dachte ich, ist das Schlimmste geschafft….
Bei km 44.5 etwa rief ich Olli an, wollte berichten, dass es mir gut ging und hörte, dass Susa knapp 6 km voraus und fit war! Bei km 50 etwa verließ mich dann meine Uhr, aber meine Beine waren wieder richtig gut im Tritt…. Ich fühlte mich super, hatte sogar Zeit meine Hilde (Geschenk von Elke) am VP zu fotografieren…
Der Lauf machte gerade richtig Laune! Tschakka….das wird doch noch was….

Dann kam die Morgen-Dämmerung, für die Optik total schön, für den Kopf eine Wohltat – aber läuferisch gesehen folgte das Morgengrauen…. im wahrsten Sinne des Wortes…. oder auch -> der Ho Chi Minh Pfad – Trail mit den gefühlt schmerzendsten Füßen dieses Universums – einzig positiv/ es war bereits hell und ich habe von einem Mitläufer erfahren- eine Massage hilft auf die müden Beine zurück….

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Also hatte ich ein ZIEL: durchhalten und die nächste Massage-Station ansteuern….
Der Blödmannspfad: 10 km lang…. über Stock und Stein… verdammt lang, wenn man sich nur noch nach einer hoffentlich heilenden Massage sehnt!
Am nächsten VP, nur Verpflegung/keine Massage…. also weiter…. fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen…
Bei km 65 etwa dann die Massage, eine absolute Wohltat, die mich wieder ans „Rollen“ brachte…, ca. 15 km hab ich das Feld danach von hinten aufgerollt, gelacht, gequatscht…gelaufen und mich gefreut… Bekanntschaften gemacht und gute Laune verbreitet, wer mich kennt, weiß, dass ich so bin… 😉 – „siehste“… dachte ich, das passt jetzt… Auch die Sonntagslängerläufer, die schon Vermisstenanzeige aufgegeben hatten, konnte ich beruhigen… et lääääuft wieder… kein Grund zur Sorge!

DENKSTE!!!!
Eine weitere Massage, eine gute Lauf-Passage bis etwa km 85 aber dann plötzlich – wieder unsagbare Schmerzen in den Füßen, wie ich sie noch nie erlebt habe und ein tiefes, tiefes Tal ….

Whats App, Facebook… alle meine Lieben waren am Start, aber meine Füße und mein Kopf / vollkommen am Ende…. Ich versuchte mich mit Fotos machen, chatten und telefonieren abzulenken, aber keine Chance…. Ich musste plötzlich viel gehen und kam so langsam in die pralle Mittagshitze…. Schatten… Fehlanzeige….

Bis km 91 habe ich mich – wie auch immer – irgendwie durchgebissen, dann die nächste Massage, ein kaltes Tuch für den Kopf…. Notfall-Sonnencreme ins Gesicht geschmiert bekommen und viele, viele liebevolle Worte von den lieben Helfern der Massage – es war wie bei Mutti….. ein unvergesslich tolles Erlebnis, so liebevoll umsorgt zu werden.
Das Feld inzwischen voller bekannter Gesichter-ein großes Haaaalloooo ….man überholt sich immer mal wieder, geht und läuft gemeinsam, leidet und baut sich gegenseitig auf- unendlich nette Erfahrung. Bei km 91 traf ich auch Andreas mal wieder, der Radbegleitung machte und meinen Zustand per Kamera für die Nachwelt festhielt! 😉 …. danke vielmals!

„Nur noch“ 9 km …. Aufn Arm!
Das rechnen….wenne einen km läufst und den nächsten gehst…. was macht das aus in Stunden und Minuten. Lächerliche 9 km, nicht mal mehr 2x mal Regatta…. ganz ehrlich… eine schier unlösbare Aufgabe, die noch zu laufen…. ich war komplett am Ende…. und das jetzt alles gehen!!? Zwei bis drei weitere Stunden in der Hitze auf diesen Füßen?! Oh noooo…

Kopf aus, Beine an…. JETZT ERST RECHT…. !!!!
Knapp ein Stündchen später- hurra…. „Nur noch knapp 4,5 km – ich brech zusammen….“ …. Erneute überschlägige Berechnung der erwarteten Ankunftszeit…. neeeee, ne?!
Augen zu und durch…. jetzterstrechtverdammtehacke.de

Meine lieben Freundinnen und die Sonntagslängerläufer haben mich getröstet, gepusht, gefeiert….und motiviert. Daaaaanke! Ohne euch…. ich wäre nicht so „zufrieden“ weitergegangen…. es macht mich unendlich stolz, dass ihr an meiner Seite ward!
Die letzten zwei km bin ich dann sogar noch mal gelaufen!
Richtig: geeeeelaaaaaauuufen!!!! >>> …. also…. tatsächlich sowas wie gejoggt, getrabt….geschleppt…. um dann endlich, endlich, endlich meinen Traum zu finishen.
Die Zeit: 14:52:29,6 …. geht doch…. 😉 … und spielt unter dem Strich keine Rolle. Ziel erreicht, gefinisht, den Kopf besiegt und ganz ehrlich, alles richtig gemacht, denn… :

… es hatte noch keiner das Ziel abgebaut, ich hab ne Medaille umgehängt bekommen, die haben mir ne Urkunde ausgedruckt und ich kann mit Stolz ein Finishershirt tragen….

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Ach ne- sogar zwei! Danke Käthe: von 0 auf hundert …. Du bist die Beste!

Mein Fazit:
…der nächste Hunderter kommt irgendwann, um zu schauen, ob es unter anderen Begleitumständen nicht doch „etwas besser“ geht… aber erst mal lege ich jetzt die Füße hoch und genieße „meinen LC Duisburg“! Denn – die entspannten, lustigen, unterhaltsamen und „niveaulos-liebenswerten“ Sonntagsläufe der Altherrenrunde…. und etliche liebe Menschen, die ich lange nicht gesehen und gesprochen habe, das alles hat mir sehr gefehlt…..

Ps.
Alle Sonntagslängerläufer sind in Biel durchgekommen: Susa, Dirk und Peter …. außerdem noch weitere LCler wie zum Beispiel Britta und Norbert ….
Wir sind schon ein geiler Verein!
Und jetzt/ Füße hoch und oleole…. schwarzrotgoldwieliebichdich! Daumen drücken!!!

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Der bisher längste Sonntags-Länger-Lauf ist Geschichte… nur ein Bambini-Lauf!

Sorry die TorTour de Ruhr ist lang und steinig, ich muss und möchte etwas länger ausholen…

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Der Beginn des Projekts TorTour de Ruhr liegt bereits im Jahr 2012, Carsten läuft seinen ersten 100ter, den TorTour de Ruhr Bambinilauf und ich durfte als Supporter an seiner Seite sein. Nach einem intensiven richtig heißen Marathon vom Baldeneysee bis zum Rheinorange steht fest, wenn 100 dann hier. Warum die Entscheidung gefallen ist, kann ich heute nicht mehr genau sagen, so sehr wie Carsten gelitten hat, ganz sicher eine dumme Idee. Aber er hat gefinisht, sich durchgebissen, er wirkte bei all seinen Schmerzen unbeschreiblich glücklich – das war großartig.

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Neben seiner persönlich läuferischen Leistung, war das auch eine besondere Team-Leistung und -Erfahrung, denn ohne Supporter und das kann ich jetzt aus tiefster Überzeugung sagen, bist Du nichts bei der TorTour de Ruhr.
Und so wurde das Ding zu meiner fixen Idee, zu meinem Ziel. Schon damals kurze Zeit nach dem Erlebnis kam die Zusage von Carsten, wenn ich das mache ist er mein Boyscout, ihr lacht vielleicht aber der Begriff passt!! Zu dem Zeitpunkt war das Ganze noch so weit weg und nicht mehr als eine fixe Idee.

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Ca. ein Jahr später, die TorTour startet nur alle 2 Jahre als eine Art private Laufparty von Jens Vieler, kam über kleine Umwege die Einladung… schon 2013 hatte Carsten scheinbar damit begonnen auf mich aufzupassen und mir den Weg an die Ruhr geebnet ;-)! Und dann? Dann kam erst einmal lange nichts außer relativ plötzlich der 2. Runners Point im FORUM Duisburg, damit viel Arbeit, Stress, eine heftigen Erkältung oder Grippe und zu wenig Marathontraining, so dass der geplante schnelle Herbstmarathon zu einer gemütlichen Sightseeing Tour mit Sonja und 100 weiteren Runners Pointlern durch München wurde. Echt Schön!

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Jetzt Rückblickend war nach dem arbeitsreichen Sommer, Herbst und Winter der eigentliche erste Startschuss zum Trainingsauftakt zur TorTour der Bottropper Herbstwaldlauf. Gemeinsam mit Hady und Dennis John gingen wir beim 50er in 4:18 durchs Ziel, das Körpergefühl war noch gut, zum ersten Mal nahm der Gedanke TTdR wieder Form an und auch die Hoffnung sie auch schaffen zu können. Ich glaube hier ist auch die Idee geboren worden gemeinsam mit Hady zu laufen…

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Danach wurde es läuferisch wieder etwas ruhiger und so brauchte es Ende 2013 nach viel Arbeit einen erneuten Schub, um mich selbst davon zu überzeugen und zu motivieren, dass die TTdR 2014 gerockt wird. Der Auftakt war mein erster wie Susanne H. es nennt Zuhause-Marathon. Spontan wie so oft und relativ aus der Hüfte geschossen, nicht schlau aber als Motivation genau das richtige. Gemeinsam mit Hady und einigen anderen Verrückten liefen wir am 29.12. den Rhein Ruhr Marathon einfach mal in der Version 30b und nach ca. 3:59 Minuten war der Startschuss zum TTdR-Training gefallen!

Was dann kam war ganz sicher nicht das klassische Langstrecken- oder Ultratraining aber im Rückblick nicht verkehrt, vielleicht hätte es etwas mehr Wüstentrainig sein dürfen ;-). Bis zum Start der TorTour 2014 wurden über 1700 km weggelaufen, ein Mix aus lang und langsam und einem normalem Marathon-Training. Viele km davon mit den Sonntags-Länger-Läufern, mit dem LC-Duisburg und dem LC Duisburg Marathonkurs, sehr viele mit Hady und natürlich mit Sonja. Danke für Deine Geduld :-).

Mein Ziel war es die TorTour zu schaffen, am liebsten in unter 10 Stunden, sehr unrealistisch im Rückblick vor allem bei den Bedingungen, aber auch, um zumindest nicht sämtliche Grundgeschwindigkeit zu verlieren, denn der Ultra-Schlappschritt trägt Dich zwar lange aber auch sehr laaaangsam ;-)! Das Lc Duisburg Marathonkurs-Tempotraining war begleitend einfach perfekt!

Der gesamte Weg bis Pfingsten war Kilometer-reich und wunderschön. Der eine oder andere weitere Zuhause-Marathon wurden gelaufen, ein paar Marathon-Wettkämpfe ruhig bestritten, in Bottrop im Kreis herum gelaufen, Rund um Moers gerockt, Atemlos durch die Nacht mit Tiffy und Tabita um die Regattabahn gelaufen,

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der Rhein Ruhr Marathon noch einmal rückwärts gelaufen und viele viele weitere Kilometer mit den mir sehr ans Herz gewachsenen Sonntags-Länger-Läufer abgespult. Die Läufe im und rund um das Ruhrgebiet, die Halden hoch und runter und an den Niederrhein waren einfach großartig.

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Wer den Ruhrpott hässlich nennt hat, sorry, wirklich KEINE Ahnung! Ungewöhnlich häufig kamen wir dabei auch am Rheinorange vorbei oder machten es zum Ziel unserer Trainingsläufe. Ich glaube das war eine Art Einkreisung, eine physische und psychische Ziel-Visualisierung, die mentale Vorbereitung auf etwas großes. Nicht umsonst hängt dieses magische orange Ultra-Ding seit dem Frühjahr auch Zuhause bei mir an der Wand…

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Alle Geschichten findet ihr nicht zuletzt hier: https://sonntagslaufblog.wordpress.com/
Ein Höhepunkt in der Vorbereitung war ganz sicher auch die Radtour von Hagen bis zum Rheinorange, eine schöne Teamerfahrung und eine ganz wichtige Erfahrung für den Kopf… denn danach stand fest: ich hatte derartige Schmerzen am Hintern, ich will das Ding lieber laufen ;-)!

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Auf dem Weg hin zum Orange gab es auch ein paar steinige Strecken… Ein weitere Laufhöhepunkt im Frühjahr sollte der 31. Rhein Ruhr Marathon für mich werden.
Hier wollte ich zum ersten Mal als Brems- und Zugläufer laufen und ein kleines bisschen von dem zurück geben, was der LC Duisburg mir in all den letzten Jahre vorgestreckt hat.
Daraus wurde leider nichts, scheiße! Danke an dieser Stelle noch einmal an Henning S., der meinen Job kurzfristig übernommen und na klar auch perfekt abgeliefert hat.
Im Tausch dafür übernahm ich seinen Job bei der RRM-Innen-Raum-Orga und gemeinsam mit Christel V. und vielen weiteren LC’lern empfingen wir alle Läufer und andere Athleten im Stadion. Das Feeling im Ziel, das umhängen der Medaillen, der Spirit in der Luft waren eine wirklich schöne, intensive Erfahrung und entschädigten etwas für den nicht gelaufen Lauf. Auch der Vivawest Marathon eine Woche zuvor, die Runners Point Halbmarathon Meisterschaften 2014, wurden läuferisch eher zum Fiasko. Aber dank Anja T. waren die 2 Stunden+ auf jeden Fall sehr sehr unterhaltsam und der Marathon-Zieleinlauf mit Sonja einfach nur schön!

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Was war eigentlich passiert, dass das Projekt beinahe kurz vorher noch fast gescheitert wäre? Leider bin ich ca. 2 oder 3 Wochen vor dem RRM zum Einen etwas unvorsichtig mit neuen Laufschuhen gewesen, Läufer hört bitte auf das, was wir euch raten. Viel entscheidender jedoch war ein Sturz beim letzten geplanten ü60er mit Hady kurz danach.
Unvernünftig wie Läufer schon mal sind, bin ich leider bereits mit einer Überlastung in den Bändern los- und nach dem Sturz auch noch ca. 10 km weiter gelaufen. Das war dumm und das wars dann erst einmal. Die nächsten Tage waren der Horror, alles dass wofür ich die ganze Zeit gearbeitet hatte war plötzlich in Gefahr. Ich war fertig mit den Nerven und sehr traurig.
Zum Glück jedoch und vor allem aber auch dank Sonja und dem Apotheker meines Vertrauens, danke Patrick, war ich danach zumindest vernünftig und ruhig.
Zwei Wochen Laufpause, Salben etc. und viel Fahrrad fahren haben die grausame Zeit überbrückt und dafür gesorgt, dass nicht alles Training vergebens war und vor allem der Kopf den Glauben an das eigentlich unvorstellbare, 100 km, nicht verloren hat.

Als die Woche der TorTour beginnt, zeichnet sich zumindest ab, ich werde Laufen, egal wie, antreten und es versuchen!

Was dann kam war ein Abbild der TorTour 2012. Der Wetterbericht spricht vom heißesten Pfingstwochenende seit Wetteraufzeichnung… Und ja ich, wir, die Starter, Helfer etc. haben darunter gelitten! Wenn ich darüber nachdenke, dass die 230er bereits am Samstag morgen um 8 gestartet sind, also einen ganzen Tag länger im Ruhrtal gekocht wurden, ist ihre Leistung unvorstellbar! Dazu gehört im Übrigen auch uns Anja T., die mit 36 Stunden +x die komplette TorTour gerockt hat – und zwar sowas von!

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Aber nun zum Bambinilauf selbst und ganz von vorne… Auf dem Weg hin zur TorTour gab es 2-3 Änderungen im Supporter-Team, manche verständlich und gesundheitlich nicht zu ändern, andere… egal! Fakt ist, das Team und alle Begleiter, die Pfingsten mit mir gestartet sind und mich begleitet und unglaublich unterstützt haben, waren genau die richtigen – besser geht es nicht – danke!
Und wenn Jemand aus leider gesundheitlichen Gründen ausfällt und mir an seiner statt seine Frau schickt, ist das mehr als eine Wiedergutmachung, Martin ;-)! Jr. schön, dass auch Du an die Strecke gehumpelt bist. Danke an Patrick T. für das kurzfristige einspringen, war mir eine Ehre einen Ironman auf dem Rad dabei gehabt zu haben und an Henning S. der auch relativ kurzfristig ins Team kam und locker mitlaufend mal eben 85 km an meiner Seite verbrachte.

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Last but not least DANKE an Carsten, der, ja wirklich wie eine Mutter, über mein Wohl gewacht hat. Exemplarisch hierfür möchte ich kurz die spontane menschliche Sperrung des Kreisverkehrs an der Karl-Lehr-Brücke kurz vor dem Ziel nennen. Das war schon unglaublich und ein schönes Beispiel eurer absoluten Fürsorge :-).

teamcarsten

Ich weiß nicht, ob die Autofahrer meinen Ausruf „ich kann und werde nicht mehr anhalten und weiterlaufen“ wirklich Ernst genommen hätten :-)!

Wie die Nacht der Nächte begann…
Der Plan war es am Samstag bereits um 17/18 Uhr ins Bett zu gehen… daraus wurde nichts. Geschlafen habe ich ca. 2-2,5 Stunden bevor Hady und Patrick um ca. 0 Uhr 30 eintrudelten. Nach einem kurzen Frühstück wurden alle und alles in den übrigens IRONGIRL-Wagen von Sabine H. geladen (Danke Dir – ein gutes Omen!!).
Dann ging es ab zu viert samt Sonja etwas atemlos durch die Nacht nach Hagen! Dort angekommen liefen uns direkt Katrin und Elke über den Weg, schön! Auf einem unbeleuchteten Parkplatz am gefühlten dunklen Arsch der Welt, wurde das Rad zusammen gebaut, die Packtaschen gepackt und am Startpunkt, einem Vereinsheim angekommen, ging es weiter mit geschäftigem TTdR-Treiben.

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Nach etwas Vor-Start Bürokratie und einem immer größer werdenden Kribbeln ging es dann nach kurzer Ansprache vom Renndirektor persönlich, begleitet mit Hells Bells von AC/DC, in die dunkle Nacht – Gänsehaut pur!

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Sonja machte sich parallel auf den Weg, um uns mit dem Teamfahrzeug voraus zu fahren und als mobile Tankstelle zu fungieren.

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Der kurze Film kurz vor dem Start in Hagen bringt etwas von der besonderen Stimmumg rüber. (Facebook-Login notwendig)

Die ersten km liefen unspektakulär und gut, es war kühl und dunkel. Schnell waren Hady, Patrick auf dem Rad und ich aus dem größten Pulk raus und liefen gleichmäßig und happy schwatzend mit Sabine A.-E. und Oliver A. entlang der Ruhr in Richtung ersten VP.
Im Schnitt wie geplant zwischen 5:30 und 6er Pace. Durch immer wieder neue Mitläufer waren die letzten Nacht- und ersten Morgenstunden sehr abwechslungsreich. Nach ca. 14-15 km überholten wir 230k-Ultra-Anja T. gemeinsam mit Susa, schön zu sehen, sie war fit und richtig gut drauf!

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Kurz danach stieß Henning zu uns. Bis km 52 dem berühmt berüchtigten VP188 „nur noch ein Marathon“ passierte rückblickend bis auf tolle Landschaften, super VPs, schöne Gespräche, einem bombastischen Sonnenaufgang und einem etwas nörgeligem Hady 😉 nicht viel. Wir liefen, wir liefen gut und gleichmäßig – alles im flow!
Immer wieder trafen wir auf 160er und 230er, wie Dennis J. oder Betty und viele andere. Auch Carsten stieg planmäßig am VP Rolli ein und Sonja war an allen geplanten Stellen unsere mobile Notreserve – alles gut – alles auf dem Weg!
Es wurde wärmer aber bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir die knapp über 50 km super verkraftet und waren gefühlt gut drauf und wirklich super auf dem Weg!
Beim VP188 drehte sich das Blatt. Eine verdammte kalte Cola, selbst Schuld wenn man diese fast ext, gepaart mit der Hitze änderte alles.

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Nach einem Radbegleiterwechsel bei Hady war er vom VP188 bereits etwas früher losgelaufen, wirklich an ihn heran laufen konnte ich nicht mehr. Wenn ich mich richtig erinnere stieg an dieser Stelle auch Peter Müller mit dem Rad ein, der aufgrund der Aufgabe seines Schützlings Aufgabenlos war. Er pendelte immer wieder zwischen Hady und mir und begleitete so uns beide, danke und Hut ab Peter!
Als wir Hady noch einmal irgendwo am Baldeneysee trafen, er suchte wohl verzweifelt eine Toilette, signalisierte ich ihm er solle allein Laufen, da mein Magen nicht mehr wollte.
Ab Kettwig hatte er zum Glück Begleitung von Sabine F. und später dann von Sarah. B. bzw. von Sabrina, Tobi und den Hausmännern.

Am VP188 also km 52 wurde die TorTour der Ruhr zu meiner persönlichen Tortur! Ab hier konnte ich nur noch abwechselnd walken und laufen… ja ich bin gewalkt… shit.

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Immer wieder überkamen mich heftige Magenkrämpfe und an regelmäßiges Essen / Trinken war nicht zu denken, einzig warmes Malzbier und ein paar Nüsse gingen. Zudem machten sich später durch das ständige schnelle Walken meine Fußheber rechts und links schmerzhaft bemerkbar. Walken ist echt anstrengend ;-)!
Die Strecke entlang des Baldeneysee, sonst super schön und voller schöner Erinnerungen, war grausam. Eine schöne Abwechslung war eine Horde ASV-Triathleten auf dem Rad, die uns laut grüßend Respekt zollten – Jungs das war klasse! Die nächste positive Abwechslung ab Essen Werden war dann der Einstieg von Katrin A. übrigens allein bei uns bereits zum 2. Mal an diesem Tag.

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Ihre Aufmunterungsversuche sorgten für etwas Abwechslung beim walk & run zwischen Werden und Kettwig…In Essen Kettwig trafen wir wieder auf unsere mobile Verpflegungstelle und ich war sehr happy Sonja zu sehen.

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An den Weg bzw. den Lauf von Kettwig bis Mintard zum letzten VP unter der Ruhrtalbrücke kann ich mich nicht wirklich in allen Einzelheiten erinnern, aber dank der Pflege und Aufsicht des Teams bin ich heil in Mintard gelandet.
Dort stand Peter H. und der Mann von der WAZ für ein kurzes Interview bereit. Als wir nach kurzer Pause die restlichen 23 km angingen, war mir und wohl auch allen anderen klar, das wird nicht einfach werden…
Das Ruhrtal ab Mintard war wie schon 2012 ein besonders harter Weggefährte und Begleiter. Wenig bis kein Schatten, Sonne satt, staubige Pisten und durch ein Gewitter am Vormittag auch noch richtig schön schwül.
Ab ca. km 82-85 stießen Sonja und Iris S. in Mülheim laufend zu uns, irgendwo vorher auch Thomas G. per Rad. Der abwechselnd laufend-walkende Pulk wurde immer größer und trotz unsere seltsamen Fortbewegungskombination aus walk und run sammelten wir noch einige Läufer ein.
Das Team hat großartige Arbeit geleistet, es wurde motiviert, gekühlt, benässt, Laufschwankungen korrigiert und abgelenkt was das Zeug hält!

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Zwischen MH-Styrum und A59 stießen Manuela von Tri-MH, Peter W. und Norbert K., Edda und Andreas und Frank K. auf dem Rad zu uns. Unsere Karawane zog unaufhaltsam aber langsam weiter in Richtung Rheinorange!
Irgendwann, gefühlt nach Stunden, war es dann soweit, der letzte Kreisverkehr wurde wie oben bereits beschrieben unter Applaus und Hupen einiger Autofahrer bezwungen und die letzten 2,5 km entlang der Ruhr brachen an. Der orange Pin wurde nicht mehr aus den Augen gelassen. Ab dem Zeitpunkt war mein Magen wie durch ein Wunder wieder ruhiger…

Was dann kam entschädigte für einfach alles… 1000 Meter vor dem dem Ziel das berühmte Schild „Heulkrampf jetzt“, ja der Befehl wurde ausgeführt und dann wurde der lange Weg hinunter durch die Rheinwiesen zum Rheinorange unter dem Jubel von vielen LClern, Laufweggefährten und Zuschauern in Angriff genommen.

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Ich glaube ganz kurz vor dem Anschlag ans Orange habe ich die verdammte Bramme beschimpft… aber wirklich nur kurz ;-).

Im Video ist das kurz zu hören…
Danke Thomas und Claudia K. das ist unbezahlbar, schön, dass ihr eigentlich immer irgendwie mit dabei seid! (Facebook-Login notwendig)

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Der Rest war ein wunderschöner Rausch in Orange und eine nicht enden wollende Umarmungsorgie, bei der samt Hugo (danke Susa), Medaille & Co. die eine oder andere Träne verdrückt wurde. Ich war und bin stolz wie Oskar und fühle eine unglaubliche Dankbarkeit gegenüber meinen Begleitern. Hady schlief derweil schon länger verdient auf der Bank über Rheinorange ;-)…

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Ja ich wiederhole mich gerne: bei der TorTour de Ruhr bist Du ohne Dein Team nichts – Danke! Danke an Hady und fetten Glückwunsch, an alle LC’ler, Tri-Mülheimer, Supporter und VP-Betreuer auf der Strecke und im Ziel, jeder einzelne hat geholfen! Die ganze TorTour ist ein grandioses Beispiel für Teamwork! Wenn ich hier Jemanden vergessen habe, sorry ohne Absicht.

Der Tag am Rheinorange endete mit noch vielen bejubelten Einläufen und Glückwünschen und dem Wunsch, dass alle anderen LCler und Läufer, die noch auf der Strecke waren, durchhalten und heil ins Ziel kommen. Ich kenne kein anderes Rennen wo das Ergebnis des Rennen selbst gefühlt so nebensächlich ist. Das finishen ist alles und jeder der durchkommt wird gefeiert wie ein Held! Im übrigen auch jene, die es bei den Höllen Bedingungen nicht geschafft haben und leider abbrechen musste… viele Finisher waren selbst ganz nah davor! Nur für die Statistik am Ende waren es bei mir ca. 11 Stunden 35 Minuten, Platz 8 und damit eine TopTen-Platzierung. Ich erinner mich genau davon hatten Hady und ich mal Anfang 2014 geträumt. Dummerweise habe ich vor lauter Rheinorange-Emotionen & Co. vergessen die Uhr rechtzeitig zu stoppen und bei diesem Rennen zählt die persönlich gestoppte Zeit, auch eine absolute Besonderheit ;-).

Die anderen LCler rockten das Ding in:
Regine Sander-Rummel 13:08:20, Platz 4, Bambini
Angelika Kirchberg in 13:12:10, Platz 5, Bambini
Anja Tegatz in 36:48:00, Platz 4, 230k
Johannes de Kruijff musste leider vorzeitig mit Magenproblemen raus.

Die Siegerehrung am Abend im Hostel in Oberhausen war relativ kurz, es lag etwas Müdigkeit in der Luft ;-), schnörkellos, leise, schmerzvoll, im besten Sinne des Wortes verkrampft und sehr ergreifend. Gemeinsam mit Sonja, Carsten, Patrick, Angelika K., Peter K., den Johns und vielen anderen Finishern und Supportern gab es hier noch die eine oder andere Gänsehaut-Attacke.

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Jeder Finisher, der den Biergarten betreten hat, zumeißt nicht wirklich rund seiner Fortbewegung, wurde bejubelt und gefeiert, des gleichen bei der Übergabe der Urkunden und Preise.
TorTour de Ruhr – ein ganz besonderer Lauf, danke an Jens Vieler für so viele unbeschreibliche Momente zu Pfingsten und im gesamten Jahr 2014!

Warum ich das schreibe? Ich muss das Ganze irgendwie verarbeiten, es war, es sind so unglaublich viele Eindrücke… außerdem möchte ich so wenig wie möglich von diesen unglaublichen Momenten vergessen, es konservieren UND GANZ wichtig, ich möchte den den Rest unserer Sonntags-Länger-Läufer motivieren an sich zu glauben. Wenn Sie am kommenden Freitag durch die Nacht von Biel laufen, wird sich auch Ihr hart erarbeiteter Traum erfüllen!

Ihr könnt das, ihr macht das, ihr rockt das, wir sind in Gedanken bei euch und dann werden wir gemeinsam feiern! Das hier wird ganz sicher nicht der letzte Eintrag, das Ende der Sonntags-Länger-Läufer sein!

Ps. inzwischen gibt es bereits einen neuen TTdR-Deal zwischen Carsten, Henning und mir und einer möglichen TorTour de Ruhr 2016, Jens V. ACHTUNG!
Welcher? Wird nicht verraten! Nur so viel, es wird mir eine Ehre sein! Und wieder beginnt es zwei Jahre vorher… Auch Hady, der verrückte großartige Kerl, hat übrigens bereits wieder etwas verlauten lassen… und am Sonntag gehe ich wieder laufen ;-)!

Marcus

Ein wenig Presse-Echo gab es auch schon…
DerWesten: Auf der Suche nach den eigenen Grenzen
DerWesten: Mülheimer läuft 100 Kilometer
DerWesten: Mülheimer will bei der TorTour 100 Kilometer laufen
DerWesten: TorTour de Ruhr
DerWesten: Ein kurzer Film…

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Fliegen ist nicht schöner!

Der letzte lange Lauf sollte es werden… gemeinsam mit Hady zum letzten Mal vor der TTdR 60+ unter die Füße nehmen… Nach einer sehr durchwachsene Woche… ein flottes LC Tempotraining und ein äußerst bescheidener 30er am Donnerstag und Probleme mit Innen- und Außenbändern danach, sollte der Lauf nach 2,5 Tagen Ruhe, viel Arnika- und Pferdesalbe die Wende bringen.
Es kam ganz anders. Das Wetter war wider Erwarten gut, wolkig, kühl und windig aber trocken. Um kurz nach 6 Uhr ging es ab Uth los und schnell über den Rhein… nach einem Seitenwechsel kurz vor Rheinorange und Wechsel auf die Marathonstrecke am Kreisverkehr in Kasslerfeld, liefen wir durch die Hafenanlagen und später dann am Kanal entlang in Richtung Oberhausen. Kurz hinter dem Schild GEDULD bei km 19,x passierte es dann… Ein kleiner unscheinbarer schlecht abgesägter nur wenige cm hoher alter Pöllar-Rest bremste mich unsanft und weiter gings per Luftpost. Vielleicht wenn Thomas P. dagewesen wäre… aber er war nicht!
Was dann innerhalb von Sekundenbruchteilen in einem vorgeht ist schon klasse… ich dachte nur, schmeiss Dich irgendwie rechts an den Wegesrand, nicht auf den Schotter knallen, zieh die Knie nicht an und versuche nicht auf ihnen zu landen… soweit so gut… Das hat geklappt… gelandet bin ich dafür auf Händen, Schulter und Hüfte, nicht auf dem Schotter, vielmehr in den Brennesseln… Samt Flugeinlage wurde der km 19-20 in 5:45 bewätigt. Direkt danach, mit mehr als genügend Adrenalin im Körper, kurzer Check Hände aufgeschürft, Hüfte geprellt, ok soweit… ging es direkt weiter immer noch mit dem Vorsatz 60+ sind machbar heute.
Völliger Humbug… ca. 2-3 km später fingen die Probleme an bzw. machten sich bemerkbar und die rechte Hüfte wollte nicht mehr bzw. zum Ausgleich in Schonhaltung habe ich wohl unbewusst das links Bein anders / mehr belastet, so dass sich mein Innenband links wieder bemerkbar machte… und die Hüfte pochte…
1-2 km weiter dann doch die Entscheidung, das wird heute nichts und so wurde das Sonja-Taxi zum Oberhausener Gasometer gebeten… ab da (km 29,x) ist Hady dann frisch verpflegt leider alleine weiter in Richtung Duisburg gelaufen und ich gefahren.
Rückblickend drängt sich der Eindruck auf, wer nicht hören will, muss fühlen oder irgendwer hat es doch geschafft mich unsanft aber sehr bestimmt zu einer Pause zu bewegen. Ich werde ein wenig meine Wunden lecken, diese Woche pausieren und freue mich auf den Viwawest am kommenden Sonntag.
War der Lauf richtig: ganz klar nein!
War der Lauf gut: Jein, in jedem Fall klasse bis km 19. Der Kopf hat gesiegt, nachher die Schwerkraft…
War der Lauf wichtig? Ja, für den Kopf absolut! Noch vor kurzem schrieb Jemand noch, ein Marathon… ich glaube das gilt analog auch oder um so mehr für Marathon+, wird zu 80% mit dem Kopf gelaufen und die restlichen 20% sind mental. Ich glaube es sind 90% Kopf und 20% mental :-)! Ausserdem konnte ich die neuen Schuhe relativ erfolgreich 30 km testen… auch das ist ein klitze kleines bisschen Kopfsache oder?
Eines steht nun fest, der Kopf ist stark und der New Balance 890 V4 der richtige Schuh. Gemeinsam werden wir drei mit Hady die TorTour De Ruhr angehen und hoffentlich alle auch beenden!
By the way natürlich hat Hady den Lauf beendet, alleine nach 5 Stunden 29 und ca. 55 km! Sorry Hady fürs Segeln und alleine laufen lassen!
http://connect.garmin.com/activity/497125736

Was gabs noch an diesem Sonntags-Länger-Läufer Wochenende: Anja und Henning haben den Bödefelder H(ö)ollenlauf 2014 bezwungen, nach 101 km, Regen und Schlamm ohne Ende und nach >13 Stunden Kampf: Respekt! Dirk hat leider etwas Probleme mit der Ferse und wird hoffentlich bald wieder fit! Ansonsten… es sind nur noch 4 Wochen bis zur TTdR und noch 5 Wochen bis Biel, da tut wahrscheinlich einfach einiges weh und auch der Kopf muckt das eine oder andere Mal aber die Zielgerade rückt näher für die Sonntags-Länger-Läufer!

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Regen, Regen, Regen – ein feuchter Nachtrag…

Während Hady und ich im Ruhrtal recht zügig 50 km hinter uns brachten, da das Wetter alles andere als ‚Laufschön‘ am Sonntag (27.04) war, machten sich die restlichen Sonntags-Länger-Läufer nach Düsseldorf zum Metrogroup Marathon auf . Einige für den ganzen, andere als Teammitgleider einer Mädelsstaffel. Auch hier war das Wetter alles andere als angenehm wie der folgende Bericht von Dirk feucht und wenig fröhlich schildert:

Düsseldorf Marathon 2014
Die Teilnahme am Düsseldorf Marathon hatte ich zwar lange geplant, die Anmeldung dennoch bis zum letztmöglichen Zeitpunkt aufgeschoben. Mir sollte nicht wieder das gleiche passieren wie im letzten Jahr, als ich mich als Frühbucher angemeldet hatte und dann Krankheitsbedingt nicht mitlaufen konnte.

Die Startnummernausgabe fand nicht wie gewohnt in den Rheinterrassen statt, sondern auf der dritten Etage der Sparkassenhauptstelle in der Düsseldorfer Innenstadt. Es waren dort keine Parkplätze vorhanden, so dass wir in ein Parkhaus an der Kö für 2,80 Euro/Stunde fahren mussten.

Eine Marathonmesse gab es nicht. Lediglich ein Verkaufsstand von Diadora war dort. Für 85,– € Startgebühr gab es noch nicht einmal ein T-Shirt oder ein Laufshirt. Zu allem Unglück fand auch noch just an dem Wochenende Schienenersatzverkehr zwischen Grunewald und Wittlaer statt, so dass mich meine Frau am Sonntag nach Wittlaer gebracht hatte.

Den ganzen Morgen regnete es schon. Die Rheinterrassen waren nicht geöffnet. Die Unterstellmöglichkeiten am Kunstpalast waren nur begrenzt. Die zwei Dixi-Toiletten waren abgeschlossen. Also alles „perfekt organisiert“.

Katrin, Carsten und Henning hatte ich vor dem Start nicht gesehen. Katrin stand allerdings als Zuschauer kurz hinter der Startlinie. Sie hatte als Staffelläuferin ja auch noch Zeit. Mein Plan war, bis km 10 mit dem Zug- und Bremsläufer für 3:30 zu laufen und dann locker in Ziel zu laufen. Mit Regenjacke plus Überzieher von Runners Point bin ich dann losgelaufen. Bei km 3 habe ich den Überzieher dann weggeworfen.

Konnte ich auf den ersten km den Pfützen noch ausweichen, bin ich bei km 4 erst links und dann unmittelbar danach rechts voll in eine Pfütze getreten. Damit waren die Schuhe dann komplett nass. Zusätzlich lief an den Beinen noch der Regen herunter und die Spritzer der Nachbarläufer kamen auch noch dazu. So sammelte sich das Wasser in den Schuhen. Die „gelegentlichen Regenschauer“ stellten sich als Dauerregen bis km 40 heraus.

Die Strecke war gegenüber den Vorjahren leicht abgewandelt. So mussten Teile der Kö zwei Mal durchlaufen werden. Bei km 20 der nördliche Teil und bei km 40 der südliche Teil.

Von den drei Zug- und Bremsläufern für die 3:30 hatte der schnellere eine Pace zwischen 4:38 und 4:48 vorgelegt, um die gewonnene Zeit an den Verpflegungsständen zu nutzen. Der dritte ist bei km 18 austreten gewesen und hat sich von den 3:45 Zug- und Bremsläufern einholen lassen. Ab km 22 musste ich dem ständigen Tempowechsel Tribut zollen und abreißen lassen.

Meine Familie stand bei km 31. Es reichte allerdings nur für einen kurzen Gruß und der Übergabe der nicht mehr benötigten Dinge. Bei km 39 hat mich ein alter Freund überholt, den ich tags zuvor bei der Startnummernausgabe getroffen hatte und der mit mir bereits von Wittlaer mit der U79 gefahren ist.

Als 822. (AK 169) bin ich mit einer Zeit von 3:40:31 ins Ziel gelaufen. Wie man mittlerweile dem Zieleinlaufclip entnehmen kann, wohl eher gehumpelt. Ich hatte da bereits mein Bein nachgezogen.

Obwohl wir uns während des Laufs nie gesehen haben, ist Carsten kurz hinter mir mit 3:40:38 als 824. (AK 170) ins Ziel gelaufen. Den Vogel abgeschossen hatte Henning mit 3:01:03. Damit wurde er 133. (AK 12). Leider hatte ich keine Wechselkleidung mit (wegen der „gelegentlichen Regenschauer“). Eigentlich wollten Katrin, Carsten, Henning und ich noch zurück nach Duisburg laufen. Angesichts der komplett nassen Kleidung und den damit verbundenen aufgequollenen Füßen ist diese Absicht von allen aufgegeben worden. Total durchnässt und ausgekühlt bin ich nach dem Lauf direkt mit der U79 zurück nach Wittlaer gefahren und habe mich dort wieder von meiner Frau abholen lassen.

Zu Hause ging es direkt in die Badewanne um meine geschundenen Füße samt Blasen zu kurieren. Nach dem Bahntraining in Bottrop (125 Runden auf einer 400 Meter Tartanbahn = 50 km) in der Ostersamstagnacht hatte ich in der linken Ferse Schmerzen beim auftreten. Da ich in der Woche nur einmal gelaufen bin, hat dies nicht weiter gestört. Beim Marathon in Düsseldorf habe ich auch nichts gemerkt, aber als ich aus der Badewanne gestiegen bin. Seitdem humpele ich.

Der Karfreitag, der ein Sonntags-Länger-Läufer-Tag war…

So langsam nähern wir uns dem großen Ereignis, sowohl die TorTour de Ruhr als auch Biel rücken näher und die Läufe beginnen wirklich lang zu werden… Vor geraumer Zeit erzähle Tobi er habe eine Strecke rund um Moers zusammengestellt… so um die 60 km relativ flach… Auf der Suche nach längeren abwechslungsreichen Strecken und vor allem netter Begleitung auf den langen Strecken wurde diese am K-Freitag in Angriff genommen. Der Rest der Sonntags-Länger-Läufer war leider entweder gehandicapt, entlang der Ruhr unterwegs, in alle Winde verstreut oder aber läuft Samstag Nacht in Bottrop im Kreis.
Gemeinsam mit Hady und Tobi laufend und Sabrina und Sarah abwechselnd per Run & Bike machten wir uns auf den Weg die Gegend rund um Moers zu erkunden!

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Durch eine Dummheit am Vortag, zu viel Gas mit neuen Schuhen, hatte ich ein schnucklige nervige kleine Blase am Zeh… die mich noch ganz schön ärgern sollte! Aber auch das Ignorieren von kleinen Wehwehchen will trainiert werden!
Wenn man Rund um Moers unterwegs ist, dürfen Halden nicht fehlen. So wurden Rheinpreußen samt Geleucht, geschnitzten Osterhase und Pattberg inkl. Gipfelkreuz bezwungen. Erstere oben mit Vermisstmeldung von Sarah, die eine Abkürzung testen wollte und nach gemeinsamer Haldensuchaktion dann mit Minuten Verspätung oben ankam. Eine kleine Schleife auf Pattberg von Hady und mir auf Umwegen zum Gipfel samt Fotoshooting aber ohne den Rest der Gruppe… sorgte beim Rest der Gruppe für etwas Unmut, da die Halde zum Teil doppelt hoch gelaufen werden musst ;-). Ansonsten waren die Ausblicke von den Halden wieder phänomenal. Wer das Ruhrgebiet liebt kann davon nicht genug bekommen, soviel ist sicher!

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Nach den Ruhrpottbergen liefen wir gefühlt durch so ziemlich jedes Kuhdorf rund um Moers, kreuzten „Kurze Wege“, nicht unsere 😉  und viele Duisburger Außenbezirke.
Nach ca. 54 km, alles soweit in bester Ordnung, noch 6 km to go – wie schön… das eine oder andere fühlt sich so langsam etwas schwer an, oder zwickt… die kleine Blase am Zeh muckt, alles nicht ernstes aber durchaus merkbar… freut man sich auf das nahe Ende. Ein kleiner aber bedeutungsschwerer Nebensatz von Tobi störte die Idylle entscheidend… „es wird etwas länger als 60 km“… Was dann passiert ist einfach und das 1×1 des Läuferkopfkinos. Wenn sich der Dein Körper samt Kopf, auf die eh schon längste Strecke seines Lebens eingestellt hat und ganz so by the way erfährt, ätschi Bätschi da kommt noch etwas mehr… bekommt man schleichend Mordgedanken… Wenn Tobi dann nach freundlicher und vorsichtiger Nachfrage trocken und lapidar antwortet: unter 70 wird es definitiv, greift man sich an die Hüfte und sucht den Colt ;-)! Ganz so dramatisch wurde es dann zum Glück nicht und nach einer kleinen Tafel dunkler Schokolade, beste Nervennahrung, ging es weiter. Nach ca. 6 Stunden und 22 Minuten und über 62 Kilometern auf der Uhr kamen wir müde und völlig happy wieder bei Sabrina & Tobi an. Die letzten km war sogar noch ein kleiner Endspurt drin. Zur Belohnung gab es selbstgemachte Nussecken von Sabrina, wie immer großartig.
Toller Lauf, klasse Tag, viel gelacht, sehr nette Gruppe, etwas schwere Beine: gerne wieder. UND mein erster ü60er ever ist im Sack! Wie da allerdings in knapp 10 Wochen noch ca. 40 km drauf sollen, ist mir (noch) ein Rätsel… wir arbeiten dran! Dankbares Ende des Tages, die Garmin zeigte 4500 Kallorien burned, die nachgefüllt werden durften und mussten – YES ;-)!
Allen anderen Sonntags-Länger-Läufern, ob in Bottrop, im fernen Schwarzwald und na klar euch allen da draußen wünsche ich schöne Läufe und frohe Ostern. Hoffentlich laufen wir bald wieder gemeinsam durch den schönen Pott!

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Sonntags im Ruhrtal – zwischen 32 und 49 km entspannte km vor dem Buffet. Oder wer lang läuft kann viel Essen ;-)!

Mit den Sonntags-Länger-Läufern unterwegs im Ruhrtal….
Ein bisschen mulmig war mir ja schon – eben erst am Samstag mit dem Marathonkurs 25 km abgerissen, und dann gleich am nächsten Tag nochmal ca. 30 km draufsetzen, und das mit Läufern, für die 100 km und mehr überhaupt kein Problem ist??? Aber da „MEIN“ Marathon – der allererste – vier Wochen vor dem Ende des Marathonkurses stattfindet und ich deshalb jetzt schon so ab und zu mal einen 30er einstreuen sollte, dachte ich, probier’s, wir wollten ja gemütlich laufen. Für den Fall, dass es absolut nicht mehr geht, hatte ich Taxigeld dabei – das hatten schon ja auch andere gemacht, also würde ich mir damit auch keinen Zacken aus der Krone brechen 😉 (der geneigte Leser schaut bei Interesse einfach mal weiter hinten im Blog 😉

Und als „Belohnung winkte hinterher „Reste“-Essen bei Susanne, dazu nachher mehr. Gesagt, getan, um 16:00 war Treffen bei Susanne – natürlich war die Autobahn wieder voll, aber ich war noch rechtzeitig da, Henning war auch gerade angekommen. Nach ein paar Minuten kamen dann auch Marcus und Sonja, Sonja mit dem Wagen inkl. Rad und Marcus bereits zu Fuß aus Mülheim mit 10 km Vorsprung. Noch ein Gläschen Wasser, dann ging’s los, erst eine Runde durch den Innenhafen, dann… nee, dann erstmal warten, denn Henning hatte seine Sonnebrille vergessen und musste schnell nochmal zurück. Dann ging’s richtig los, Henning, Marcus, Susanne und ich zu Fuß, Sonja als Personal Trainer und Mentaltrainer auf dem Fahrrad mal vorweg – danke für die schönen Fotos, Sonja – und mal hinterher. Das Wetter zeigte sich doch noch von seiner besten Seite, Sonne, aber nicht zu warm, ein paar harmlose Wölkchen, kein Wind, Läuferherz, was willst du mehr…?

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Nach der Innenhafenrunde liefen wir Richtung Ruhr und dann über ein Wehr an der Ruhr entlang Richtung Oberhausen und Mülheim. Neben Schäfchen kreuzten zwei Osterhasenbraten unseren Weg, waren dann aber doch zu schnell.

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Marcus hätte am liebsten noch einen kleinen Umweg mit Bergwertung zur Halde auf der anderen Seite der Ruhr eingestreut, aber es führte kein Weg über den Fluss, und schwimmen traf irgendwie auch nicht auf allzu große Begeisterung. Und überhaupt hatte diese Halde ja noch nichtmal einen Namen! Also liefen wir weiter mehr oder weniger auf dem Ruhrtal-Radweg… Henning legte großen Wert darauf, den Original-Ruhrtal-Radweg zu laufen und nicht irgendwelche Abkürzungen zu nehmen – da könnte man sich nämlich sonst ganz schnell verlaufen, da man ja die Schilder nicht sieht ;-). Vorbei ging’s an einem wunderschönen alten Fachwerkhaus, durch die MüGa bis zum Wasserbahnhof in Mühlheim, wo wir Mädels eine kurze Pause machen wollten, während die Männer noch in die Verlängerungsrunde gingen (1x Mendenerbrücke und Retour zum Wasserbahnhof). Naja, wer’s unbedingt braucht… wir waren ihnen dann wohl doch bisschen zu langsam gewesen, sie mussten sich dann mal eben so im 4er Schnitt ein paar km bisschen austoben 😉

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Bis dahin war’s bei mir total locker gelaufen, ich war echt überrascht, keine schweren Beine, nix – lag wohl an den neuen Kompressionssocken, die sich als sehr nützlich erwiesen :-))) Aber so lange Pause – zwanzig Minuten waren’s bestimmt – und dann noch mit Kuchen und eisgekühlter Apfelschorle… neee, das war definitiv ein Fehler, insbesondere die Apfelschorle… Henning lehnte gleich dankend ab, als ich ihm einen Schluck anbot, er meinte, die mache einen dann immer so schnell… als „Länger-Läufer“ kennt er sich ja inzwischen aus, im Gegensatz zu mir… Naja, zum Glück hatte ich dann nur das halbe Glas getrunken und die Folgen spürte ich dann erst im Ziel.

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Die Männer hatten nach der Pause dann ein paar Probleme mit ihren Uhren – sind ja auch komplizierte kleine Wunderwerke der Technik, VIER Knöpfe, ja, da muss man schon genau wissen, welchen man drücken muss, sonst fängt man plötzlich wieder bei Null an ;-)). So geschehen erst bei Henning und kurze Zeit später auch bei Marcus. (Anmerkung: der sich immer noch über sich selbst ärgert ;-). Als wir wieder an der Halde vorbei kamen, meinte Marcus, wir sollten die Besteigung doch mal ins Auge fassen, wer als erstes oben seine Fahne in den Boden ramme, der könne ihr auch den Namen geben… Er arbeitet noch an der Route ;-). (Anmerkung: ist in Arbeit ;-), vielleicht kann uns Jemand von unserer geneigten Leserschaft helfen… Halde yxz gegenüber der Straße „Am Ruhrufer“ in Oberhausen Altstaden, gibt’s da einen Weg hin?)

Bei Susanne angekommen – hurra, ich hatte es tatsächlich geschafft, nach den 25 km vom Samstag nochmal 32,6 km :-))) – erwarteten uns eine wunderbare warme Dusche und dann ein Geburtstags-„Reste“-Buffet vom allerfeinsten!!!. Anja und André kamen auch noch vorbei, aber selbst mit deren Hilfe wurde das Buffet nicht wirklich deutlich leerer.

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Aber lecker war’s, auch wenn sich beim mir jetzt leider die Apfelschorle bemerkbar machte… Henning gab mir dann im Laufe des langen und unterhaltsamen Abends noch den einen oder anderen Tipp bezüglich der Verpflegung während eines Marathons, und ich erfuhr, dass auch er schon schmerzhaft für ähnlich Experimente bezahlt hatte. Eins weiß ich ganz sicher: Nie wieder kalte Apfelschorle beim Laufen!!!

Alles in allem war es ein wunderschöner Nachmittag und Abend, danke an Susanne und Olli für die tolle Bewirtung und an die Sonntags-Länger-Läufer, dass ich mitlaufen durfte!

Elke

Ps. vermisst haben wir Katrin, Carsten und Dirk, die hoffentlich beim nächten Mal wieder mit dabei sind! Die etwas längere Strecke (ca. 10 km vorlaufen und 5 anhängen) aus beschrieben Gründen in zwei Teilen 😉

Teil1
http://connect.garmin.com/activity/475191764

Teil 2
http://connect.garmin.com/activity/475191787