Einmal musst du nach BIEL…

Biel 2014 – eine Grenzerfahrung…
… und das nicht, weil Biel in der Schweiz liegt.

Im November – nach einer unfassbar tollen Laufsaison beim LC – hörte ich bei meinem ersten 50-er beim Bottroper Herbstwaldlauf zwei Läufer über Biel quatschen…. Irgendwann muss man (Frau auch?!) da hin… Aha??!!?? BIEL / …wattn dattn…???
Aufgeschnappt, gegoogelt, durchdacht, verworfen und plötzlich der Plan: Joooo, da will ich auch hin! Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich mit Anja Tegatz die „Bielerin“ schlechthin in meinem direkten Umfeld hatte und habe…

Aufgrund meiner privater Lebensumstände wurde die Idee einmal im Leben einen HUNDERTER zu laufen, kurzfristig immer konkreter, das Bewusstsein, die Zeit für das aufwendiger Training zur freien Verfügung zu haben, ohne eine Partnerschaft zu belasten, eine einmalige Chance, denn….die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich das mal ändern wird! Gesagt getan, an einem der ersten Januarabende war es soweit, ich brauchte einfach ein ZIEL, also …. entschied ich mich für BIEL und meldete mich kurzerhand an…

Der Marathonkurs 2014 begann und wurde Teil meines Trainingsplans.
Relativ zeitnah nach meiner Anmeldung kristallisierten sich ein paar weitere liebenswert Bekloppte heraus, die die TorTour de Ruhr oder Biel laufen wollten. Eine perfekte Mischung mit perfektem Timing, da die TTdR eine Woche vor Biel stattfand! Die Gruppe der Sonntagslängerläufer war kurzerhand „geboren“…. und es hieß immer wieder gemeinsam Kilometer fressen, Erfahrungen sammeln, sich austauschen und gegenseitig aufbauen, wenn es schwer war…. Eine rundum tolle Gruppe/ läuferisch gesehen, aber vor allen Dingen menschlich…. Ich habe ALLE sehr in mein HERZ geschlossen- ohne Euch wäre der Weg nach Biel viel, viel schwerer und der Lauf an sich noch haariger geworden!

Nach endlosen Kilometern, Doppelpacks an den Wochenenden, einer tollen Sonntagslängerläufer-Radtour und einem 6-Stunden- Lauf…. standen zum Schluss die gaaaaanz langen und wichtigen Läufe an….

20140223_150121

Gerade in dieser Zeit erlebte ich privat einige Rückschläge, die meine stärkste Waffe – nämlich meinen unendlich starken Kopf und Willen – ziemlich ins Wanken brachten…

Das Laufen fiel mir zum ersten mal unendlich schwer …. Kilometer fressen…eine ziemliche Qual! Auweia…. gerade jetzt! Daraus entstanden abgebrochene Läufe, abgesagte Sonntagsläufe…. Selbstzweifel und das in meinen Augen nun leider angebrachte Trainingsmotto: „ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“…

Im Mai und Juni 3 Marathons im 2-Wochen-Rhythmus als Trainingsläufe, PERVERS, wenn ich das überlege…. unter anderem auch, wenn ich daran denke, dass ich am 09. Juni 2013 meinen allerersten Marathon gefinisht habe.
Hamburg, Vivawest, Duisburg standen auf dem Programm… und NEIN: ich „rotze“ keinen Marathon einfach mal so dahin, ich habe unendlichen Respekt vor dieser Distanz und freue mich darauf, diese Distanz in Zukunft wieder ambitioniert und mit einer anderen Grundeinstellung angehen zu können!
In Duisburg war ich vor dem Start unendlich nervös, – HEIMSPIEL -… und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, möchte ich trotzdem gerne erwähnen, dass ich unendlich froh bin, Teil des LC Duisburg zu sein, denn das Gefühl, ins Ziel einzulaufen und nahezu die halbe Belegschaft der Freiwilligen zu kennen – geherzt, umarmt und gemocht zu werden- unbezahlbar! Einfach schööööön…. !!!

Nach Duisburg standen nur noch „kürzere“ Läufe auf dem Plan, die teilweise Begleitung der „Tortour de Ruhr-ler“ – Anja und Marcus – passte noch gut in den Plan und war eine der emotionalsten Erfahrungen meines Läuferlebens – so viel geheult wie Pfingsten und an den Tagen danach, hab ich noch nie… und ich bin sehr dankbar, dabei und Teil dieses Weges gewesen zu sein!

Nun zu Biel:
… dass mich Biel permanent in den letzten Wochen beschäftigt hat, zeigt allein die Tatsache, dass die Spracherkennung meines Handys inzwischen aus „viel“ immer „Biel“ macht….aber ich schweife ab!

Am Donnerstag ging es endlich los, 15:45 Uhr begann die Autofahrt mit Susa, Britta und dem lieben Olli, der uns heil nach Biel gebracht hat. Ankunft in Biel, Musik auf volle Pulle: DIRE STRAITS -> „private investigations!“ HAMMER! Wir sind da….die Nacht der Nächte steht vor der Tür! Vollmond! Gänsehautfeeling bereits bei der Ankunft!

Die Ferienwohnung – etwa 1 km vom Start entfernt – bezogen, stand eine kurze Nacht und ein Tag unter dem Deckmäntelchen des „ruhens“ und des „wartens“ auf dem Plan… Zwischenzeitlich stießen Dirk und Peter zu uns, um gemeinsam Nudeln zu essen und die Startunterlagen abzuholen… eine seeeehr nette Runde!

Um 21:10 ging’s los-wir gingen mit Olli Richtung Start zum Treffpunkt der Radbegleiter und verabschiedeten ihn um 21:30, denn er hatte sich kurzum entschlossen als Fahrradbegleiter mit an den Start zu gehen, um Teil von Susa’s Traum zu sein. Toll – Ihr zwei seid ein Dreamteam!!!!! (Man munkelt, die beiden hätten in der Nacht des 13./14.06. ihr zweites Kind in 11:17 Stunden gemeinsam zur Welt gebracht!!! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!)

Foto 4 (3)

Um 22 Uhr ging’s dann für uns Läufer los….
„An Tagen wie diesen….wünsch ich mir Unendlichkeit….“…. Yeah – die toten Hosen dröhnten aus den Boxen als sich das Feld in Bewegung setzte, um die Nacht der Nächte zu erlaufen!
Bis km 4 allet jut, nahezu super und euphorisch, allet im Lack … bis ich eine Verkehrsinsel übersah… und…. BOING…
Den beliebten Ausspruch: „was liegt, das liegt“ hab ich schnell verworfen, bin schnell wieder aufgestanden und weitergelaufen, Handgelenk und Knie blutig, Ellbogen schmerzhaft… „Macht nix: heute wird meine Nacht“ – das war mein einziger Gedanke…
Susa und ich liefen schön entspannt zusammen, die anderen hatten sich bereits beim Start verabschiedet, und grundsätzlich war mir schon von Anfang an klar, dass ich Biel alleine „überstehen“ musste, hatte Susa doch eine wesentlich konsequentere und fehlerfreiere Vorbereitung, als ich absolviert – außerdem ist Susa eine Topläuferin und einer der positivsten Menschen die ich kenne…dass Susa Biel rocken würde, stand für mich außer Frage….
Die ersten knapp 17 km – Party pur…. wir wurden getragen von den Zuschauern am Straßenrand….total toll…
Die Euphorie ließ mich aber nicht meinen rumorenden Magen vergessen, Susa lief absolut rund, so dass ich sie bei km 20 etwa bat, alleine ihr Ding zu machen- Olli wartete bei km 23…. Gesagt und – mit dem seitens Susa „eingeforderten“ Versprechen allen privaten Problemen und dem Kopf zu trotzen und auf jeden Fall zu finishen – ….entschwand Susa nach Küsschen und Umarmung leichtfüßig und positiv in die Nacht! Das Versprechen ging mir bei km 23 noch recht leicht und zuversichtlich über die Lippen…. versprochen ist versprochen…. oha…

Foto 3 (4)

MEINE einsame NACHT in Biel begann also bei km 23 ….und sie wurde die härteste Herausforderung, die ich bislang erlebt habe.
Bereits bei km 25 war mir nach aufgeben, meine Beine nicht wirklich schwer, aber der Tritt vollkommen unrund … meine Füße, schmerzten bereits jetzt, mein Kopf….eine Riesenkatastrophe … die Pace… permanent abnehmend….
Grundsätzlich hatte ich mir vorgenommen, nicht auf die Zeit zu achten, jeden Anstieg zu gehen und Anjas bzw Goethes Motto zu leben: „Geniesse wenn du kannst und leide wenn du musst.“ Finishen – das alleine war mein Ziel!

Meine liebe Freundin Käthe hatte – mit meinen lieben Freundinnen Katrin, Kati, Christina und meiner Schwester Cordu eine „Katrin’s BIEL SUPPORT“- whats App -Gruppe gegründet, die mir für die kommenden 75 km nahezu das Leben retten würde, das wusste ich zu der Zeit nur noch nicht!
Ab km 25 versuchte ich mich also immer wieder selbst zu belohnen-
an den Verpflegungsständen einmal aufs Handy schauen und schreiben, Motivation abholen….und siehe da…. nicht nur ich war wach!!!!! Daaaaanke, ihr Lieben!
Mein neuer „whats App Status“ ist für euch:
„Kein Weg ist lang, mit einem Freund an der Seite! (Japanische Weisheit)“
…. naja- lang irgendwie trotzdem, aber wesentlich erträglicher ….!

Was dann kam, bekomme ich gar nicht mehr so richtig zusammen, ich bin gelaufen, gegangen, gelaufen, gegangen, hab mich versucht möglichst gut zu verpflegen….und mich immer wieder motiviert, indem ich an den Sonnenaufgang dachte…. Dann, so dachte ich, ist das Schlimmste geschafft….
Bei km 44.5 etwa rief ich Olli an, wollte berichten, dass es mir gut ging und hörte, dass Susa knapp 6 km voraus und fit war! Bei km 50 etwa verließ mich dann meine Uhr, aber meine Beine waren wieder richtig gut im Tritt…. Ich fühlte mich super, hatte sogar Zeit meine Hilde (Geschenk von Elke) am VP zu fotografieren…
Der Lauf machte gerade richtig Laune! Tschakka….das wird doch noch was….

Dann kam die Morgen-Dämmerung, für die Optik total schön, für den Kopf eine Wohltat – aber läuferisch gesehen folgte das Morgengrauen…. im wahrsten Sinne des Wortes…. oder auch -> der Ho Chi Minh Pfad – Trail mit den gefühlt schmerzendsten Füßen dieses Universums – einzig positiv/ es war bereits hell und ich habe von einem Mitläufer erfahren- eine Massage hilft auf die müden Beine zurück….

Foto 4

Also hatte ich ein ZIEL: durchhalten und die nächste Massage-Station ansteuern….
Der Blödmannspfad: 10 km lang…. über Stock und Stein… verdammt lang, wenn man sich nur noch nach einer hoffentlich heilenden Massage sehnt!
Am nächsten VP, nur Verpflegung/keine Massage…. also weiter…. fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen, fluchen laufen gehen…
Bei km 65 etwa dann die Massage, eine absolute Wohltat, die mich wieder ans „Rollen“ brachte…, ca. 15 km hab ich das Feld danach von hinten aufgerollt, gelacht, gequatscht…gelaufen und mich gefreut… Bekanntschaften gemacht und gute Laune verbreitet, wer mich kennt, weiß, dass ich so bin… 😉 – „siehste“… dachte ich, das passt jetzt… Auch die Sonntagslängerläufer, die schon Vermisstenanzeige aufgegeben hatten, konnte ich beruhigen… et lääääuft wieder… kein Grund zur Sorge!

DENKSTE!!!!
Eine weitere Massage, eine gute Lauf-Passage bis etwa km 85 aber dann plötzlich – wieder unsagbare Schmerzen in den Füßen, wie ich sie noch nie erlebt habe und ein tiefes, tiefes Tal ….

Whats App, Facebook… alle meine Lieben waren am Start, aber meine Füße und mein Kopf / vollkommen am Ende…. Ich versuchte mich mit Fotos machen, chatten und telefonieren abzulenken, aber keine Chance…. Ich musste plötzlich viel gehen und kam so langsam in die pralle Mittagshitze…. Schatten… Fehlanzeige….

Bis km 91 habe ich mich – wie auch immer – irgendwie durchgebissen, dann die nächste Massage, ein kaltes Tuch für den Kopf…. Notfall-Sonnencreme ins Gesicht geschmiert bekommen und viele, viele liebevolle Worte von den lieben Helfern der Massage – es war wie bei Mutti….. ein unvergesslich tolles Erlebnis, so liebevoll umsorgt zu werden.
Das Feld inzwischen voller bekannter Gesichter-ein großes Haaaalloooo ….man überholt sich immer mal wieder, geht und läuft gemeinsam, leidet und baut sich gegenseitig auf- unendlich nette Erfahrung. Bei km 91 traf ich auch Andreas mal wieder, der Radbegleitung machte und meinen Zustand per Kamera für die Nachwelt festhielt! 😉 …. danke vielmals!

„Nur noch“ 9 km …. Aufn Arm!
Das rechnen….wenne einen km läufst und den nächsten gehst…. was macht das aus in Stunden und Minuten. Lächerliche 9 km, nicht mal mehr 2x mal Regatta…. ganz ehrlich… eine schier unlösbare Aufgabe, die noch zu laufen…. ich war komplett am Ende…. und das jetzt alles gehen!!? Zwei bis drei weitere Stunden in der Hitze auf diesen Füßen?! Oh noooo…

Kopf aus, Beine an…. JETZT ERST RECHT…. !!!!
Knapp ein Stündchen später- hurra…. „Nur noch knapp 4,5 km – ich brech zusammen….“ …. Erneute überschlägige Berechnung der erwarteten Ankunftszeit…. neeeee, ne?!
Augen zu und durch…. jetzterstrechtverdammtehacke.de

Meine lieben Freundinnen und die Sonntagslängerläufer haben mich getröstet, gepusht, gefeiert….und motiviert. Daaaaanke! Ohne euch…. ich wäre nicht so „zufrieden“ weitergegangen…. es macht mich unendlich stolz, dass ihr an meiner Seite ward!
Die letzten zwei km bin ich dann sogar noch mal gelaufen!
Richtig: geeeeelaaaaaauuufen!!!! >>> …. also…. tatsächlich sowas wie gejoggt, getrabt….geschleppt…. um dann endlich, endlich, endlich meinen Traum zu finishen.
Die Zeit: 14:52:29,6 …. geht doch…. 😉 … und spielt unter dem Strich keine Rolle. Ziel erreicht, gefinisht, den Kopf besiegt und ganz ehrlich, alles richtig gemacht, denn… :

… es hatte noch keiner das Ziel abgebaut, ich hab ne Medaille umgehängt bekommen, die haben mir ne Urkunde ausgedruckt und ich kann mit Stolz ein Finishershirt tragen….

Foto 4 (4) Foto 3 (3)

Ach ne- sogar zwei! Danke Käthe: von 0 auf hundert …. Du bist die Beste!

Mein Fazit:
…der nächste Hunderter kommt irgendwann, um zu schauen, ob es unter anderen Begleitumständen nicht doch „etwas besser“ geht… aber erst mal lege ich jetzt die Füße hoch und genieße „meinen LC Duisburg“! Denn – die entspannten, lustigen, unterhaltsamen und „niveaulos-liebenswerten“ Sonntagsläufe der Altherrenrunde…. und etliche liebe Menschen, die ich lange nicht gesehen und gesprochen habe, das alles hat mir sehr gefehlt…..

Ps.
Alle Sonntagslängerläufer sind in Biel durchgekommen: Susa, Dirk und Peter …. außerdem noch weitere LCler wie zum Beispiel Britta und Norbert ….
Wir sind schon ein geiler Verein!
Und jetzt/ Füße hoch und oleole…. schwarzrotgoldwieliebichdich! Daumen drücken!!!

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